Warum wird Pflegeleidenschaft funktionieren!

Liebe Pflegeleidenschaftlerinnen, liebe Pflegeleidenschaftler,

wir alle waren dabei, als vor unseren Augen ein Stück Geschichte gemacht wurde. Die Demonstrationen in den arabischen Ländern und der Sturz der Diktatoren haben uns alle tief bewegt. Besonders die Lage in Ägypten wurde für viele Menschen in Europa und der ganzen Welt zu einer persönlichen Angelegenheit. Mit Mubaraks Rücktritt wird uns der 11.02.2011 historisch in Erinnerung bleiben. Die Welt stand für einen Moment still. Die Bilder des feierenden Volkes auf dem Tahrir Platz in Kairo, die Fahnen und das Gefühl der Befreiung. Unglaublich diese historische Entwicklung des Nahen Ostens.

Aber wie kam es jetzt zu den plötzlichen und öffentlichen Unruhen? Und das ist für mich – und viele von euch sicher auch – das Erstaunliche! Da mobilisierten sich viele junge Leute im Internet gegen die Missstände im Land. Diese jungen Menschen erhoben ihre Stimme gegen die Ungerechtigkeiten, die sie erfuhren. Diese jungen Menschen organisierten sich auf Facebook und Twitter, tauschten Informationen aus und beschlossen, sich nicht länger dieser Unterdrückung hinzugeben. Die sozialen Medien wurden zu der stärksten Waffe der Demonstranten. Die Menschen haben ihre Stimme erhoben, friedlich gekämpft und letztendlich gesiegt. Sicherlich ist es noch ein langer Weg zu einer Demokratie und viele Verhandlungen werden in nächster Zeit folgen. Aber für Ägypten ist es eine bedeutende Zeit des Umbruchs für die gute, die gerechte Sache.

Ich möchte mir nicht anmaßen, die Entwicklungen in Ägypten mit unserer Philosophie von Pflegeleidenschaft gleichzusetzen, aber doch zeigt mir die Geschichte Folgendes: wenn Menschen sich mit der gleichen Idee, der gleichen Überzeugung unabhängig von Ort und Stand zusammenfinden und diese Idee kommunizieren, dann sind Gruppen so stark, dass sie gehört werden [müssen]. Und darum geht es uns bei Pflegeleidenschaft – wir brauchen die Gemeinschaft, diese eine Stimme die von Tausenden Pflegekräften für die gute, die gerechte Sache gesprochen wird. Wir alle erleben täglich unter welchen Bedingungen wir unser Bestes geben. Dass die Arbeit häufig nicht in Relation zur Entlohnung steht ist kein Geheimnis, aber dass sich die Arbeitsbedingungen immer mehr hin zu reiner Bürokratiearbeit und zu Ungunsten der eigentlichen Pflege entwickeln – darunter leiden die Patienten ebenso, wie wir. Wir sind Pflegeleidenschaftler mit Herz und Seele, wir haben uns diesen Beruf nicht primär wegen des Geldes ausgesucht und doch kann man unsere Arbeit anerkennen und eben auch entsprechend honorieren.

Es ist also enorm wichtig, dass die Pflege gerüttelt wird und endlich aus ihrem Winterschlaf erwacht und versteht, dass sie sich ganz leicht durch einfache Organisation aufstellen kann, und klar und deutlich sagen kann "So nicht mehr!!!"

Wir wollen uns ganz klar davon distanzieren, hier wie aus einer klassischen Opposition heraus irgendwelche Forderungen an die Arbeitgeber zu stellen. Uns ist bewusst, dass Arbeitgeber meist genauso denken wie wir Pflegekräfte, nur sind ihnen leider auch die Hände gebunden. Arbeitgeber haben es in der vergangenen Zeit nicht geschafft sich zu organisieren und zu solidarisieren. Arbeitgeberverbände sind für mich nicht mehr als reine Gesprächsrunden, die es noch nie geschafft haben Kompromisse über den kleinsten gemeinsamen Nenner hinaus zu finden. Wenn wir Pflegekräfte eine große Gemeinschaft sind, werden Arbeitgeber sich gerne und zwangsläufig mit uns solidarisieren.

Wir wollen also mit den Arbeitgebern auf der einen Seite ein Stück weit zusammenarbeiten, auf der anderen jedoch auch unsere Unabhängigkeit bewahren; dennoch werden diese zwei Stimmen zusammen so laut sein, dass sie überall gehört werden, - und was viel wichtiger ist - von den Bürgern und Politikern verstanden werden.

Wenn wir also eine große Gemeinschaft aus Pflegekräften, aber auch Arbeitgebern sind und darüber hinaus noch ein öffentliches Ansehen bekommen, dann ist, - so glaube ich, nahezu alles möglich.

Sogar eine Lohnerhöhung für jeden Arbeitnehmer von 20% für die Wertschätzung, die Verantwortung und die Anerkennung unserer Arbeit, halte ich dann durchaus für realistisch. Wobei das gerade mal eine Beitragserhöhung der Krankenkasssen um 0,3% wäre. Es muss nur konsequent nach außen getragen werden und im Idealfall wird es dadurch zu einer politischen Angelegenheit und zu einem politischen Interesse für jedermann. So wie die Pflege eine Angelegenheit und ein Interesse von jedermann ist - bzw. sein sollte!

Um allerdings so eine Forderung aufstellen zu können, benötigen wir ganz viele von EUCH. Damit, denke ich, kann unsere Stimme so klar und laut sein, dass sie gehört werden [muss].

Uns ist bewusst, dass es noch 2 bis 3 Jahre dauern wird, bis wir so stark und so viele sind um wirklich etwas bewegen zu können. In der Zwischenzeit setzen wir auf Wachstum und arbeiten an einer gemeinsamen Stimme. Auf keinen Fall werden wir unser Pulver zu früh verschießen, so dass der Schrei im Nebel verpufft.

Wir werden in der Zeit keine politische Färbung annehmen und sind somit offen für jeden. Natürlich distanzieren wir uns von Extremen "in beide" Richtungen. Gleiches gilt für gewerkschaftliche Organisationen, welche in der Vergangenheit eher für eine Verhärtung der Fronten und zu einem kontinuierlichen Stillstand geführt haben.

In einer Reportage über die Demonstrationen und den Sturz Mubaraks sagte ein Ägypter mit Tränen in den Augen in die Kamera, dass die Menschen dank des Internets endlich eine Stimme bekommen haben, die nicht mehr zum Schweigen gebracht werden könne. Nehmen wir die Entwicklungen in Ägypten als Lichtblick, als Hoffnungsträger für uns – nichts ist so starr und unflexibel, dass es nicht veränderbar ist!

Ich bitte euch von Herzen, glaubt an Euch, an Uns und an die Kraft, die eine Gemeinschaft entwickeln kann. Wir haben uns lange genug versteckt, jetzt ist es Zeit, aktiv zu werden.

Ich glaube an UNS

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